• Gelobtes Land (Originaltitel: The Promise), Regie: Peter Kosminsky, Rolle: Clara Rosenbaum, vierteilige Mini-TV-Serie für Channel 4, Großbritannien
Unmittelbar, bevor die 18jährige Erin zu ihrem Nach-Abitur-Aufenthalt in Israel mit ihrer Freundin Eliza aufbricht, fällt ihr das Tagebuch ihres todkranken Großvaters Len in die Hände. Sie ist rasch fasziniert von dem gefahrvollen Soldatenleben des alten Mannes, den sie kaum kennt. Fassungslos entdeckt sie seine dramatischen Erlebnisse während der britischen Friedensmission nach dem Zweiten Weltkrieg in Palästina.
Erin, auf sich alleine gestellt als Eliza ihren Wehrdienst beginnt, wird Zeugin der undurchschaubaren Komplexität des Lebens im heutigen Israel sowohl für Juden als auch Araber. Als Erin eintaucht in das Tagebuch, stößt sie auf die heute noch unbequemen Wahrheiten aus der Zeit, in der ihr Großvater in Palästina war, und die Gewalt und Grausamkeit, die er in den 40er Jahren miterleben musste.
Im Haifa der Gegenwart geht ein Riss durch die Familie der Freundin: Elizas Bruder Paul kämpft militant gegen die Palästinenserpolitik seines Landes. Er macht Erin mit dem palästinensischen Omar, einem Aussteiger aus dem bewaffneten Untergrundkampf der Al-Aqsa-Brigaden, bekannt. Mit Unterstützung der Beiden lernt Erin auch die schockierenden Zustände jenseits der Checkpoints und der Mauern kennen, die die palästinensischen Dörfer abschirmen.
Peter Kosminskys Gelobtes Land lässt den Trip einer jungen Frau von einem alle Nachabitur-Eskapaden übersteigenden Abenteuer, zu einer Wahrheitssuche vor der Kulisse des komplexen und anscheinend unlösbaren Nahostkonflikts geraten. Ein Soldat der 40er Jahre geht sein Leben bestimmende Freundschaften ein mit einer jungen israelischen Frau und einem palästinensischen Mann, dem er ein schicksalhaftes Versprechen gibt. Die 18-jährige Erin macht sich das Ehrenwort des alten Mannes, ihres Großvaters, zu ihrer Sache. Kosminsky blättert mit einer Souveränität und Ruhe zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her, dass der Zuschauer den undurchschaubaren Schleier der Historie nur schrittweise und völlig unerwartet durchblickt.
Gelobtes Land ist eine fiktive Erzählung. Doch Regisseur Peter Kosminsky betrieb umfangreiche Recherche, um den historischen Hintergrund des Dramas zu formen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren britische Truppen in Palästina stationiert, um den Einwanderungsstrom der Juden zu kontrollieren und den Frieden in der Region zu erhalten.
Den Impuls für den Film lieferte ein Veteran, der zur Nachkriegszeit in Palästina stationiert war. Nachdem er Kosminskys preisgekrönten Film über den Bosnienkrieg Warriors (1999) gesehen hatte, verfasste der Brite einen Brief, in dem er den Regisseur für Warriors lobte, aber vor allem auf die Thematik der britischen Truppen in Palästina nach dem Zweiten Weltkrieg hinweisen wollte, die man filmisch umsetzen könnte.
Rund 100.000 Soldaten waren in der Nachkriegszeit im Rahmen des britischen Mandats in Palästina stationiert, um den Frieden zwischen Arabern und Juden in der Region zu erzwingen. Innerhalb von nur drei Jahren wurde jedoch die mächtige britische Armee von der Irgun, einer kleinen Gruppe jüdischer Guerilla, terrorisiert und zurückgedrängt. Zermürbt und entmutigt kehrten die Soldaten schließlich in die Heimat zurück. Doch statt Anerkennung für ihren Einsatz wurde ihnen sowohl ein Ehrenmahl als auch ein Gedenkmarsch in Formation verwehrt.
Über 50 Jahre später begann Peter Kosminsky, Interviews mit mehr als 80 Veteranen zu führen. Auf der Grundlage dieser Zeitzeugenberichte erschuf Kosminsky den Protagonisten Len Matthews. Peter Kosminsky ist Großbritanniens bedeutendster und meistumstrittener Film-und Fernsehregisseur, der es 2011 als 55jähriger bereits zu einer eigenen Retrospektive im britischen Filminstitut brachte.
Kosminsky hat bei 18 Filmen Regie geführt. Sein Kinofilm Weißer Oleander (2002), in dem Michelle Pfeiffer und René Zellweger zu sehen waren, wurde vierfach ausgezeichnet. Auch seine zahlreichen Fernsehfilme, wie unter anderem Die Ernte der Gier (1994), Warriors – Einsatz in Bosnien (1999), Gestohlene Kindheit (1997) und Projekt Machtwechsel (2002), erhielten viele Preise. Kosminskys Drama David Kelly – Der Waffeninspektor erhielt 2006 den BAFTA-Fernsehaward für den besten Hauptdarsteller, das beste Drama und das beste Drehbuch. Für den rasanten Zweiteiler Dschihad in der City (2007) setzte sich Kosminsky intensiv mit der britisch-muslimischen Gesellschaft und dem Terrorismus in Großbritannien auseinander.
Während der gebürtige Londoner teilweise Kulissen in anderen Ländern nachbauen ließ, (so wurde Marokko zum Irak, Tschechien zu Bosnien, etc.) führte bei “Gelobtes Land” für ihn kein Weg an den Dreharbeiten an Originalschauplätzen in Israel vorbei. Der Bauhausstil in Tel Aviv, die Atmosphäre des bunt zusammengewürfelten israelischen Volkes und vor allem die Mauer zwischen Israel und Palästina ließen sich nicht authentisch nachbilden. Des Weiteren beharrte der Regisseur darauf, dass alle jüdischen Rollen von jüdischen Schauspielern dargestellt wurden, gleiches galt fü