Happy End (Kurzfilm, 30 Minutern), Regie: Sebastian Strasser, Rolle: Lila
Der schnellste Weg von der Schule bis zum Elternhaus beträgt 827 Schritte. Manchmal sind es 857, manchmal 912. Wenn der Junge die Anzahl der be- reits zurückgelegten Schritte vergisst, muss er von vorn anfangen. Es gibt viele Gründe durcheinander zu kommen, denn der Heimweg ist ein komplizierter Prozess. An einem guten Tag schafft er die Strecke in zwei Stunden. Niemand versteht, was der Junge so treibt. Bis er eines Tages ein Mädchen trifft. Sie heißt Lila und ihre Augen sind so was von groß und sie hat eine Stimme, dass man ihr durch Dornen folgen würde…
(Quelle: Filmheft zur Berlinale 2005, Perspektive Deutsches Kino)
Der Junge ohne Namen zählt. Schritte, Pommes Frites, Regentropfen, Klopapier, einfach alles. Und nervt damit seine Eltern gewaltig. Erst als er Lila kennenlernt (beide Kinderschauspieler sind wunderbar “normal” gecasted und spielen überzeugend) trifft er jemanden, der ihn versteht. Eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich, die auch einen Erzählsprung von ca. 10 Jahren überdauert. Die beiden Teenager sind immernoch zusammen, auch wenn sie sich noch nie geküsst haben. Erst als Lila wegzieht verändert sich für den Jungen etwas. Aber er hat noch keine Lust erwachsen zu werden.
Der Film lebt von der gezielten Gegenüberstellung der spießigen-heilen, norddeutschen Vorstadtwelt der Eltern und den ebenso zwanghaften Handlungen des Jungen – wobei die letzteren natürlich viel positiver bewertet werden. Während die Eltern Ketterauchen, Briefmarken sammeln oder sich zwanghaft räuspern zählt der Junge eben, und zwar alles, und ohne dass dies akzeptiert würde. Leider bleibt die Gegenüberstellung aber allzu Klischeehaft und die bemüht bedeutungsvolle Erzählerstimme bringt ebenfalls nicht die Leichtigkeit, auf die der ansonsten ruhig erzählte Film eigentlich abzielt. So ist das Ergebnis zwiespältig. (Quelle: Blog von Dominik Walther auf festivalblog.com)
• Erwähnung bei www.festivalblog.com
• Infos zum Film bei www.fimportal.de