„Eltern können auch zu viel Liebe geben“

Screenshot des Interview-Anfangs auf www.christoph-koch.net

Ihr seid beide gerade im Kino zu sehen: beide in der Rolle von Kindern, die die Erwartungen ihrer Eltern, was Schule und Ausbildung betrifft, nicht erfüllen können – und darunter leiden. Glaubt ihr, das sind nur Einzelfälle, die sich Drehbuchschreiber ausdenken?

Constantin: Die meisten Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, das kann man voraussetzen. Aber viele machen dann trotzdem einiges falsch – und setzen ihre Kinder unter Druck. Jeder geht anders mit diesem Druck um. Armin, meine Rolle in „Falscher Bekenner“, lässt das einfach über sich ergehen. Er ist zu faul und zu müde, um mit seinen Eltern zu reden.

Stattdessen geht er zu sinnlosen Vorstellungsgesprächen und flüchtet sich in eine Traumwelt.

Constantin: Ich glaube, das kommt tatsächlich häufig vor bei Leuten, die mit der Schule fertig werden und sich nie Gedanken gemacht haben, was sie nachher eigentlich machen wollen. Die geraten dann in so eine Leere.

Ihr habt beide schon früh mit der Schauspielerei angefangen – gab es diese Phase der Unentschlossenheit also nie?

Katharina: Nein, ich bin früh in die Schauspielerei hineingewachsen. Es gab auch nie dieses Sicherheitsdenken, erst etwas Solides als Grundlage zu machen und sich dann in der Kunst zu versuchen.

Constantin, war für dich auch immer klar, was du werden willst?

Constantin: Eigentlich schon. Aber ich will auch nicht nur Schauspieler sein. In ein paar Jahren möchte ich Regie führen, Drehbücher schreiben, ich mache Musik in meinem eigenen Studio – ich habe also mehrere Standbeine, das ist meine Art, mich abzusichern. Aber jeden Morgen zu einem langweiligen Bürojob zu gehen, das könnte ich mir nicht vorstellen.

Manchmal hat man den Eindruck, das kann sich heute niemand vorstellen. Alle wollen sich „selbst verwirklichen“, künstlerisch arbeiten, „was mit Medien“ machen oder gleich Stars werden.

Katharina: Man muss sich schon des Privilegs bewusst sein, das man hat, wenn einem das tatsächlich gelingt. Aber natürlich kann das nicht für alle funktionieren. Ich kann mir vorstellen, dass deshalb viele dann Kinder kriegen. In der New Economy waren die in irgendeiner Agentur und jetzt läuft es halt nicht mehr so toll. Da wird dann ein Kind schnell zur Rettung, zum neuen Lebensinhalt. In solchen Fällen schließt sich dann der Kreis wieder – denn Kinder, die im Rahmen einer solchen Sinnsuche entstehen, sind natürlich wieder eine ungeheure Projektionsfläche für ihre Eltern.

Weil sie selbst gescheitert sind, müssen die Kinder umso erfolgreicher sein?

Katharina: Ich fürchte, dass es vielen Eltern schwer fällt, zu akzeptieren, dass das, was dein Lebensinhalt ist, einen eigenen Willen hat, sich von dir loslöst und irgendwann weg will. Und mit seinem Leben etwas Eigenes anfangen will, mit dem die Eltern vielleicht überhaupt nichts anfangen können oder was sie sich nie vorgestellt haben für ihr Kind.

Dein Charakter Annika sagt zu ihrem Vater: „Du hast doch auch kein Abi“ . . .

Katharina: Ja, das ist typisch für diesen Wunsch vieler Eltern, in ihren Kindern das nachzuholen, was sie selbst nicht erreicht haben.

Constantin: So entsteht dann der Druck, der von den Eltern ausgeht. Der kann ja auch dadurch ausgeübt werden, dass sie zu viel Liebe geben. Ich kenne viele Leute in meinem Alter, die von ihren Eltern zu sehr behütet werden.

Katharina: Ich glaube, zu viel Liebe kann man gar nicht schenken. Die Frage ist ja nur, wie sich das äußert.

Constantin: Das meine ich ja. Gute Eltern werden es nie böse meinen, wenn sie mal mit ihren Kindern schimpfen. Der Hintergrund ist ja, dass man als Kind weiß, dass man trotzdem geliebt wird.

Katharina: Es kommt aber schnell diese Angst, nicht um seiner selbst Willen geliebt zu werden, sondern nur in einer bestimmten Funktion. Als erfolgreiches Kind, das ein gutes Abi macht, dann einen Beruf lernt und glücklich sein Leben auf die Reihe kriegt. Eine wichtige Frage ist dann: Wofür werde ich eigentlich geliebt? Und: Liebt ihr mich denn auch, wenn ich das alles nicht hinkriege?

Könnt ihr euch an Entscheidungen erinnern, die ihr auf der Grundlage getroffen habt, ob eure Eltern das jetzt gut finden?

Constantin: Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht. Denn ich weiß, dass meine Eltern, wofür ich mich auch entscheide, zu m