Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von ici! Das Lifestyle-Magazin

Die Wandelbare

Von Linda-Luise Bickenbach/ici! Lifestyle-Magazin

Katharina Schüttler ist ein Phänomen: Als jüngste Schauspielerin überhaupt wurde sie 2006 von „Theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Ein Bühnenstar, der längst auch die Leinwand erobert hat. Im ici!-Interview spricht die 30-jährige Wahlberlinerin über frühen Ruhm, ihre Lust am Verkleiden und das Privileg, Schauspielerin zu sein.

Frau Schüttler, das Thema dieses Heftes ist „Luft“. Was ist an Ihnen luftig?

Luftig? Auf jeden Fall ist es ziemlich luftig, wenn man seine Haare abrasiert, zwei Millimeter kurz. Grund dafür war meine Rolle im englischen Vierteiler „The Promise“, den wir Anfang des Jahres in Israel gedreht haben. Was mir sonst zu „luftig“ einfällt: Vor einem Jahr habe ich ein Buch gelesen: „Feng Shui. Gegen das Gerümpel des Alltags.“ Anschließend habe ich die Hälfte meines gesamten Besitzes weggegeben. Ein befreiendes Gefühl.

Sie sind die Tochter eines Theaterintendanten und einer Theaterautorin. Wann wussten Sie, dass Sie Schauspielerin werden wollen?

Als ich ganz klein war, wollte ich etwas anderes machen als meine Eltern. Tierärztin werden zum Beispiel oder Anwältin. Doch, ehrlich gesagt, wächst bei mir der Verdacht, dass ich schon immer Schauspielerin sein wollte.

Gab es einen Schlüsselmoment?

Meine ersten Dreharbeiten. „Die Lok“, ein Kinder-Abenteuerfi lm. Ich war elf.

15 Jahre später, gerade mal 26, wurden Sie für Ihre Darstellung der „Hedda Gabler“ zur Schauspielerin des Jahres gewählt als jüngste Theaterschauspielerin überhaupt. Pure Freude oder eine Bürde?

Eine große Ehre, klar ist das toll. Aber auch ein kleiner Schreck. Für mich kam die Auszeichnung zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend. Niemals hätte ich damit gerechnet. Erfahren habe ich es per SMS. Ich war auf Sri Lanka, alleine im Urlaub. Wäre ich damals in Deutschland gewesen, hätte mir das Ganze wahrscheinlich ein wenig Angst gemacht.

Neben zahlreichen Theaterrollen sind Sie in vielen Fernsehreihen und Filmen zu sehen. Bühne oder Leinwand, was ist Ihnen lieber?

Ich versuche bewusst, beides zu machen. Im Winter am liebsten Theater, im Sommer drehen. Das klappt nicht immer, die letzten anderthalb Jahre habe ich fast nur gedreht. Umso schöner, jetzt wieder auf der Bühne zu stehen. Zurzeit in „Kinder der Sonne“ am Deutschen Theater Berlin zusammen mit wunderbaren Kollegen wie Nina Hoss und Ulrich Matthes.

Es heißt, Sie bevorzugen „radikale Rollen“. Wonach wählen Sie Ihre Rollen aus?

Eine Rolle muss mich reizen, die Geschichte emotional berühren. Je extremer oder weiter weg eine Figur von mir selbst ist, desto spannender. Mein eigenes Leben kenne ich ja. Ich kann mich glücklich schätzen, dass die meisten Rollen, die mir angeboten werden, eine gewisse Herausforderung mitbringen.

So wie aktuell der RTL-Thriller „Die Akte Golgatha“?

Ein RTL-Abenteuerfilm ist eher untypisch für mich. Deshalb hat es mich ja gereizt: Eine Action-Komödie mit Verfolgungsjagd, mit Tauchen, über Dächer springen und dabei um die halbe Welt reisen – sowas habe ich vorher noch nie gemacht. Es ist ein wunderbarer Film geworden, richtiges Popcorn-Kino. Und ein schönes Gegengewicht zu Arbeiten wie dem RAF-Drama, das ich mit Iris Berben gedreht habe.

Iris Berben nannte Sie anerkennend „Kampfmaschine“. Die FAZ beschreibt Sie als „verletzlich und doch irgendwie unantastbar“. Wie sehen Sie sich selbst?

Ich glaube, dass jeder zwei Seiten in sich trägt. Das Ausmaß an Verletzlichkeit taucht an anderer Stelle in gleichem Maße als Stärke wieder auf. Beides kann also stimmen. Mich selbst zu kategorisieren, fällt mir schwer. Zumal man sich mit jeder Figur, die man spielt, wieder ein wenig verändert.

In den vergangenen Jahren haben Sie riesige Erfolge gefeiert: Preise, Kritiker-Lob, Publikumserfolg. Was bedeutet Ruhm für Sie?

Es ist interessant, dass man seinen eigenen Erfolg nur schwer einordnen kann. Man nimmt sich ja selbst wahr wie immer. Ich glaube, dass Ruhm und Erfolg die Gefahr bergen können, dass man sich mit einem Bild identifiziert, das andere von einem haben. Für mich persönlich ist es so: Ich freu